Die WEKO sieht Glasfaser-Kooperationen nicht gern

FTTH, Fiber, Glasfaser, DSL und andere Breitband Anschlüsse als Alternative zum Kabelanschluss
Mephi
Beiträge: 2168
Registriert: 03.12.2001, 11:18
Wohnort: Zürich

Die WEKO sieht Glasfaser-Kooperationen nicht gern

Beitrag von Mephi » 05.09.2011, 18:09

Die WEKO hat gestern der Swisscom und einigen städtischen EW,s einen Schlussbericht zukommen lassen. Pressemitteilung der WEKO.

Zur Problematik vgl. meinen Hinweis auf einen Aufsatz von Prof. R. Weber hier.

PatPowerMan
Beiträge: 4699
Registriert: 01.06.2001, 10:20

Beitrag von PatPowerMan » 06.09.2011, 10:23

Sorry, hatte noch keine Zeit, mich ins Thema einzulesen. Hier nur noch schnell die Stellungnahmen der Swisscable:
http://www.swisscable.ch/article/article.php3?art=1352

und Cablecom: http://www.upc-cablecom.ch/b2c/about/me ... wsitem=246

Mephi
Beiträge: 2168
Registriert: 03.12.2001, 11:18
Wohnort: Zürich

Beitrag von Mephi » 06.09.2011, 13:49

Hier noch ein Link (1) auf den vollständigen Aufsatz von Rolf H. Weber und einen auf die Replik der Fasernetzbauer (2).

Mephi
Beiträge: 2168
Registriert: 03.12.2001, 11:18
Wohnort: Zürich

Beitrag von Mephi » 16.09.2011, 18:06

Der Schlussbericht der WEKO zeigt offenbar Wirkung: NZZ.

(Ich frage mich allerdings (sehr spekulativ), ob die Swisscom diesen Entscheid nicht bewusst herbeigeführt hat, denn eine "rechtsverbindliche Sanktionsbefreiung für die gesamte Vertragslaufzeit von rund 40 Jahren" für harte Kartellabreden ist eine sehr provokative Forderung.)

PatPowerMan
Beiträge: 4699
Registriert: 01.06.2001, 10:20

Beitrag von PatPowerMan » 17.09.2011, 05:58

inside-it.ch hat das jetzt auch verkündet:
Swisscom legt alle Glasfaserverträge auf Eis

Der Weko-Entscheid führt zu einer dramatischen Wende: Swisscom geht noch einmal über die Bücher und droht mit Alleingang.

Nachdem die Wettbewerbskommission (Weko) vor wenigen Tagen bei der Beurteilung der Glasfaserkooperationen zwischen Swisscom und diversen regionalen Energieversorgungsunternehmen (EVU) kritische Töne von sich gegeben hatte, reagiert nun der Ex-Telekom-Monopolist. Laut einer Mitteilung von heute Morgen sieht sich Swisscom "gezwungen, gemeinsam mit den Partnern sämtliche bereits abgeschlossene Verträge dahingehend zu überprüfen, ob Anpassungen am Kooperationsmodell mit vertretbarem unternehmerischem Risiko umsetzbar" seien. Neue Verträge im Wert von 800 Millionen Franken könnten vorläufig nicht unterschrieben werden, weil das zugrunde liegende Kooperationsmodell aufgrund der neuen Ausgangslage in Frage gestellt werden müsse.

Swisscom betont, dass das bestehende Mehrfaser- und Kooperationsmodell an einem runden Tisch unter der Leitung der Kommunikationskommission ComCom erarbeitet wurde.
Das Sekretariat der Weko habe nun aber verschiedene Vertragsklauseln kritisiert, welche "elementare Eckpunkte des Kooperationsmodells" seien. Das Sekretariat nehme eine "unrealistische Marktabgrenzung" vor, indem es das Glasfasernetz isoliert und nicht als Teil des gesamten Breitbandmarktes betrachte. Swisscom schreibt gar, die Weko habe mit ihrer Beurteilung die Kooperationen faktisch verboten.

Sollte es nicht möglich sein, die Verträge so anzupassen, dass sie noch mit vertretbarem unternehmerischem Risiko umsetzbar seien, könne Swisscom einen Alleinbau nicht ausschliessen. Dies würde laut Swisscom eine deutliche Verlangsamung des Glasfaserausbaus und auch weniger Wettbewerb bedeuten.
Quelle: http://www.inside-it.ch/articles/26366

Ist das nur polititsches Säbelrasseln? Was bezweckt Swisscom wirklich?

Eulach
Beiträge: 18
Registriert: 21.12.2003, 13:02

Beitrag von Eulach » 17.09.2011, 10:14

Natürlich wird mit dem Säbel gerasselt! Swisscom setzt die Politik massiv unter Druck, weil sie hier ein Riesengeschäft gefährdet sieht. Die Steuerzahler bzw. EW-Kunden sollen zahlen, Quasi-Monopolist Swisscom kassieren. Das Schlimme daran ist dass ein Staatsbetrieb so fuhrwerken darf. Den Leuten wird Sand in die Augen gestreut, dass ohne Swisscom der Untergang der Schweiz droht, und den Verantwortlichen in Politik und Gemeinden fehlt der Durchblick, sie erstarren einfach vor Angst, dass sie etwas falsch machen könnten.

flicflac
Beiträge: 1500
Registriert: 25.11.2002, 02:31
Wohnort: Basel
Kontaktdaten:

Beitrag von flicflac » 18.09.2011, 01:44

@Eulach
Ich fürchte, dein Beitrag war nicht ironisch gemeint. Darum etwas zu den Fakten:

Die Swisscom ist kein Staatsbetrieb, sondern eine Aktiengesellschaft an der die Eidgenossenschaft zwar eine substantielle Beteiligung hält, bei der aber auch viele Private und Kleinbetriebe in der Schweiz Geld angelegt haben. Es kann diesem Unternehmen und seinen Aktionären nicht zugemutet werden, viele Millionen in ein Projekt zu verlochen, wenn damit kein Verdienst erzielt werden kann. Insbesondere muss sichergestellt sein, dass nicht ausländisch dominierte Kommunikationsunternehmen sich Leistungen erzwingen können, ohne dafür angemessen zu bezahlen.

Die grossen Städte hingegen haben ein Interesse, möglichst rasch zu leistungsfähigen Glasfasernetzen zu kommen, hauptsächlich um Firmen diese Netze zu vorteilhaften Bedingungen anbieten zu können. Sie sind bereit, solche zwecks Standortvorteil via ihre Stromversorgungsunternehmen mitzufinanzieren. Sie rechnen damit, dass die jetzt entstehenden Kosten in den kommenden Jahren durch höhere Steuererträge wieder eingespielt werden.

Da es sinnlos wäre, wenn jeder auf eigene Faust handeln würde, haben sich die Interessengruppen zu einem gemeinsamen Vorgehen entschlossen. Sie haben in teils jahrelangen Verhandlungen tragfähige Kompromisse ausgehandelt, die beiden einen angemessenen Investitionsschutz gewährleisten. Wirtschaft und Politik haben eindeutig zu diesem Vorgehen ja gesagt.

Nun hat die Wettbewerbskommission ein Haar in der Suppe gefunden, das man mit geeigneten Massnahmen herausfischen muss. Es ist das gute Recht der handelnden Parteien darauf hinzuweisen, dass dies nicht von heute auf morgen geschehen kann und dies möglicherweise zu Mehrkosten und Zeitverzögerungen führen wird.

Damit werden keine Politiker unter Druck gesetzt. Diese müssen sich höchstens fragen, ob denn die Leute der WEKO nicht mit Kanonen gegen Spatzen geschossen haben. In viel wesentlicheren Wettbewerbsfragen hat diese Kommission bisher nicht so viel Eifer gezeigt.

Mephi
Beiträge: 2168
Registriert: 03.12.2001, 11:18
Wohnort: Zürich

Beitrag von Mephi » 18.09.2011, 13:55

@flicflac
Leider hat das EWZ in Zürich lange Zeit die Glasfasern parallel und nicht eränzend zum Swisscomnetz verlegt, und das Werk hielt sehr lange an seiner Layer 2 Strategie fest. Ich habe dies mehrmals zuletzt in diesem Thread erwähnt. Der 200 Mio. Kredit, den das Volk zum Bau eines städtischen Netzes einst gesprochen hat, ist mittlerweile wohl aufgebraucht. (Medienmitteilung)

Dann ist die Swisscom eine spezialgesetzliche AG gemäss TUG und damit doch sehr bundesnah.

Mephi
Beiträge: 2168
Registriert: 03.12.2001, 11:18
Wohnort: Zürich

Beitrag von Mephi » 18.09.2011, 15:33

In der NZZ vom 17.09.2011 erschien dieser Artikel zu diesem Thema:
Probleme beim Glasfasernetz

Die Swisscom muss mit ihren Partnern neu verhandeln

Mue. In der Schweiz ist der zügige Ausbau des Glasfasernetzes in Gefahr. Nachdem die Wettbewerbskommission (Weko) Anfang vergangener Woche grosse Bedenken gegen die Kooperationsmodelle der Swisscom und einiger Elektrizitätswerke angemeldet hatte, legte die Behörde nun im Rahmen eines Gesprächs mit den Vertragsparteien nochmals nach. So soll der Direktor der Weko, Rafael Corazza, am runden Tisch der Branche Dienstag vergangener Woche nochmals eindeutig zu verstehen gegeben haben, das Risiko einer Sanktion sei enorm gross, wenn die Kooperationspartner so fortfahren sollten wie bisher. Für die gleichfalls anwesenden Vertreter von Cablecom und vom Verband der Kabelnetzbetreiber, Swisscable, ist diese Aussage von Corazza als Aufforderung zu verstehen, gegen die Kooperationsmodelle zu klagen, was den Zeitplan in Verzug brächte.

Keine Investitionssicherheit

Angesichts dieser Rechtsunsicherheit hat die Swisscom nun angekündigt, mit ihren Kooperationspartnern die Verträge komplett neu zu verhandeln. Diese Verträge wurden zuvor in den vergangenen zwei Jahren an einem runden Tisch unter der Leitung der Kommunikationskommission mit allen Beteiligten entwickelt. So sind die Kooperationsverträge zwischen der Swisscom und den Elektrizitätswerken in Zürich, Lausanne und Winterthur zwar bereits ausgehandelt, aber noch nicht unterzeichnet. Andere Verträge mit den Energieversorgungsunternehmen in St. Gallen, Bern, Luzern und Basel sind dagegen bereits unterschrieben.

Der Konzernchef von Swisscom, Carsten Schloter, bekräftigte in einer Telefonkonferenz, in den Städten, in denen die Verträge bereits unterzeichnet seien, würden die Bauvorhaben zunächst noch vorangetrieben. Ein abrupter Stopp der Arbeiten sei allein technisch nicht möglich. Doch nun müsse sein Konzern mit den Kooperationspartnern nochmals die Verträge anschauen, um bis Ende dieses Jahres Lösungen zu finden, die auch die Zustimmung der Weko fänden. Damit gibt sich Schloter einen ambitionierten Zeitplan vor, denn im bisherigen Verfahren kann man das Arbeitstempo der Weko höchstens als gemächlich umschreiben.

Konkret kritisiert die Weko die Layer-1-Exklusivität und den Investitionsschutz - zwei Vereinbarungen, die Schloter als Fundament der Kooperationsverträge bezeichnet. Im Rahmen der Layer-1-Exklusivität dürfen nur die Elektrizitätswerke Grosshandelsprodukte auf der unbeleuchteten Glasfaser («Dark Fiber») anbieten. Vor diesem Hintergrund sieht die Weko in den Klauseln der Layer-1-Exklusivität «eine Abrede über die Aufteilung von Märkten nach Geschäftspartnern» und damit eine Behinderung der Marktkräfte. Für diese Argumentation hat Schloter jedoch kein Verständnis, denn die Elektrizitätswerke gingen in Vorleistung für Investitionen, die sich erst in Jahren amortisierten. Deshalb dient die Layer-1-Exklusivität dazu, für die Elektrizitätswerke Neukunden zu gewinnen, und übernimmt damit die Funktion einer Starthilfe.

Infrastrukturwettbewerb

Der Leiter der Abteilung Telecom beim Elektrizitätswerk Zürich, Peter Messmann, möchte zunächst die Handlungsoptionen ausloten, wie eine potenziell künftige Zusammenarbeit mit der Swisscom aussehen könnte. Allerdings hat er kein Verständnis für die Position der Weko, die durch ihr Handeln den Wettbewerb auf dem noch zu bauenden Glasfasernetz verhindere. Messmann spielt damit auf einen zentralen Kritikpunkt von Schloter an, der der Weko vorwarf, das Glasfasernetz isoliert und nicht als Teil des gesamten Breitbandmarktes zu betrachten, in dem verschiedene Technologien für einen intensiven Infrastrukturwettbewerb sorgten. Nach den Worten Schloters werden die Elektrizitätswerke kein Interesse daran haben, mit ihren Angeboten den monatlichen Preis für einen entbündelten Anschluss, der derzeit bei Fr. 16.60 liegt, deutlich zu überbieten, da sie sonst keine Kunden bekämen.

Schloter sieht den raschen Ausbau des Glasfasernetzes in Gefahr, wenn bis Ende 2011 keine Lösung mit der Weko gefunden wird. Notfalls werde die Swisscom den Bau zwar in eigener Regie vorantreiben, doch das werde die Erschliessung der Schweiz mit einem leistungsfähigen Glasfasernetz deutlich verlangsamen. Durch den Wegfall der Kooperationspartner reduzierten sich die finanziellen Spielräume für Investitionen, begründete Schloter eine mögliche Verzögerung beim Ausbau des Netzes. Der Schweizer Telekom-Verband Asut forderte die Weko auf, den Sachverhalt nochmals zu prüfen, um den Wirtschaftsstandort nicht zu schädigen.

flicflac
Beiträge: 1500
Registriert: 25.11.2002, 02:31
Wohnort: Basel
Kontaktdaten:

Beitrag von flicflac » 19.09.2011, 00:07

@Mephi

Pioniertaten waren selten von Anfang an perfekt. Dass Zürich und die Swisscom zuerst parallele Netze planten (und auch mit der Ausführung begannen) war nachträglich betrachtet nicht das Gelbe vom Ei. Aber es war eben eine Pioniertat.

Mit "bundesnah" kann man die Swisscom schon bezeichnen. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass sie eigentlich trotz dem "Spezialgesetz" eine normale Aktiengesellschaft ist, die gegenüber ihren Geldgebern jedes Jahr über ihr Handeln Rechenschaft ablegen muss. Und die Geldgeber (sowohl Bund wie Private) erwarten eben zumindest eine angemessene Verzinsung. Sollte sich Swisscom aus dem Glasfaserprojekt mangels Investitionschutz zurückziehen, sehe ich keine Schweizer Firma, die diesen Part kurzfristig übernehmen möchte und auch könnte.

PatPowerMan
Beiträge: 4699
Registriert: 01.06.2001, 10:20

Beitrag von PatPowerMan » 19.09.2011, 09:04

flicflac hat geschrieben:... Sollte sich Swisscom aus dem Glasfaserprojekt mangels Investitionschutz zurückziehen, sehe ich keine Schweizer Firma, die diesen Part kurzfristig übernehmen möchte und auch könnte.
Darf ich da einhaken? Was ist eigentlich mit der Cablecom? Haben die absolut kein Interesse an der Glasfaser-Vernetzung? Sehen sie darin nur Konkurrenz oder wie darf ich die bisher doch eher zurückhaltende Beurteilung der CC verstehen?

Browsercheck
Beiträge: 372
Registriert: 02.05.2006, 17:02
Wohnort: Schlieren

Beitrag von Browsercheck » 19.09.2011, 11:11

[quote="PatPowerMan]Darf ich da einhaken? Was ist eigentlich mit der Cablecom? Haben die absolut kein Interesse an der Glasfaser-Vernetzung? Sehen sie darin nur Konkurrenz oder wie darf ich die bisher doch eher zurückhaltende Beurteilung der CC verstehen?[/quote]

Ob UPC Cablecom überhaupt genügend Mittel hätte, um das zu stemmen? Immerhin sind sie ja auch im Gespräch, weils sie angeblich Orange übernehmen möchten (wobei sich schon hier die Frage stellte, ob UPC-CC überhaupt genügend flüssig ist, für so was).

Und ob es geschäftlich Sinn macht, neben dem eigenen (schon in weiten Teilen auf Glasfaser ausgebauten) Netz nochmals ein neues Netz zu kaufen/aufzubauen?

PatPowerMan
Beiträge: 4699
Registriert: 01.06.2001, 10:20

Beitrag von PatPowerMan » 19.09.2011, 11:21

Browsercheck hat geschrieben:...Und ob es geschäftlich Sinn macht, neben dem eigenen (schon in weiten Teilen auf Glasfaser ausgebauten) Netz nochmals ein neues Netz zu kaufen/aufzubauen?
Ich habe dabei eher an Kooperationen mit EWs gedacht, die das bestehende Glasfasernetz der CC mitnutzen könnten.
Ein zusätzliches - zum eigenen bereits bestehenden - Glasfasernetz macht natürlich keinen Sinn.

phagga
Beiträge: 265
Registriert: 15.05.2008, 19:00

Beitrag von phagga » 21.09.2011, 22:27

flicflac hat geschrieben:
Es kann diesem Unternehmen und seinen Aktionären nicht zugemutet werden, viele Millionen in ein Projekt zu verlochen, wenn damit kein Verdienst erzielt werden kann.
Doch, kann es. Wenn ein Unternehmen in ein Projekt investiert, läuft es immer Gefahr, dass es damit Verlust macht. Wär ja noch schöner, wenn auf einmal jedes Unternehmen eine Garantie braucht, dass ihre Projekte auch auf jeden Fall rentieren. Da käme die Privatwirtschaft ja nirgends hin.
Die grossen Städte hingegen haben ein Interesse, möglichst rasch zu leistungsfähigen Glasfasernetzen zu kommen, hauptsächlich um Firmen diese Netze zu vorteilhaften Bedingungen anbieten zu können.
In den grossen Städten haben die Firmen jetzt schon Zugang zu Glasfaser, weil die Netze aller grossen Provider zum überwiegenden Teil aus Glasfaser bestehen und vorallem in den Städten schon sehr gut ausgebaut sind.

Es geht somit gerade in den Städten nicht primär um Firmen, sondern um Privatkunden, allenfalls noch um Kleinbetriebe.

Wenn der Swisscom bei Ihrem Glasfaserausbau wirklich die Firmen am herzen läge, dann würde sie gezielt in Gemeinden in den ländlichen Regionen Glasfaser verbauen, weil es dort viele Firmen gibt, die mangels Alternativen auf DSL/Cable oder gar 3G angewiesen sind.
Da es sinnlos wäre, wenn jeder auf eigene Faust handeln würde, haben sich die Interessengruppen zu einem gemeinsamen Vorgehen entschlossen.
Mit diesem Satz kannst du jedes Monopol rechtfertigen.
Sollte sich Swisscom aus dem Glasfaserprojekt mangels Investitionschutz zurückziehen,
Egal was die Weko entscheidet, die Swisscom wird sich nicht aus dem Glasfaserprjekt zurückziehen. Sie brauchen diese Netze, um im Privatkundenbereich konkurenzfähig zu bleiben.

Ausserdem bringst du hier die zeitliche Abfolge durcheinander. In Zürich war die EWZ der erste Betrieb, der ankündete, FTTH zu bauen. Die Swisscom kam er später. Hätte sich die Swisscom rausgehalten, hätte die EWZ das Netz einfach alleine gebaut.

Und drittens interessiert sich auch die Swisscom bisher nur für die Städte. Kleinere Gemeinden nehmen den Glasfaserausbau meist selbst in die Hand, ohne Unterstützung der grossen Provider.

In diesem Zusammenhang:

http://www.blogg.ch/index.php?/archives ... gehen.html

flicflac
Beiträge: 1500
Registriert: 25.11.2002, 02:31
Wohnort: Basel
Kontaktdaten:

Beitrag von flicflac » 22.09.2011, 03:23

@phagga

Interessant, dass auch du die Meinung vertrittst, dass man der Swisscom zumuten könne, in unrentable Projekte zu investieren. Würde sie dann kurz vor dem Konkurs stehen, müsste sie wohl in höherem Interesse wie Swissair und die Grossbanken durch den Staat gerettet werden. Da es aber in der realen Wirtschaft eben rentieren muss, wird sie es sich gut überlegen, ob sie grossräumige Glasfasernetze bauen soll, die sie dann nur zu Niedrigpreisen oder gar nicht vermarkten kann. Auch wenn Swisscom sicher grosses Verständnis für die Kommunikationsprobleme von Firmen im Hinterland hat, kann sie es sich bestimmt nicht leisten, ausgerechnet dort in neue Netze zu investieren.

Grossfirmen werden hingegen durch die grossen Provider überall erschlossen (wie du ja selbst schreibst). KMU's und Private hatten aber bisher nur in den Kernstädten eine Chance, zu vernünftigen Preisen rasch zu Fiberanschlüssen zu kommen. Dies wäre auch in Zürich so geblieben, wenn sich nicht EWZ und Swisscom zu einem gemeinsamen Projekt durchgerungen hätten. Das lässt sich zwar nicht in Bloggs von Lobbyisten nachlesen, sondern in den ursprünglichen Projektbeschrieben der betreffenden Unternehmen.

Auch in Basel planten die IWB ursprünglich nur die Erschliessung der Innerstadt. Für die übrigen Stadtteile hätte man bis zum Vorliegen konkreter Erfahrungen aus dem Versuchsbetrieb (viele) Jahre zuwarten wollen. Dank dem gemeinsamen Vorgehen könnte dies nun aber in wesentlich kürzerer Zeit der Fall sein. Sollten die finanzstarken Gemeinden rund um die Stadt herum sich tatsächlich für den Eigenbau (gmäss deiner Beschreibung) entscheiden, hätten wir bei einer Verzögerung bei der Erstellung in der Stadt einen weiteren Standortnachteil hinzunehmnen. Denn bekanntlich ist in den umliegenden Cablecom-freien Gemeinden das Digitalfernsehen vollkommen gratis und schikanefrei zu empfangen, was Neuzuzüger bei ihrer Wohnsitzwahl schon heute beeinflussen dürfte. Nicht auszudecken, was passieren könnte, wenn man dann dort auch noch rascher zu einem FTTH-Anschluss kommen könnte.

Antworten